"Julius Caesar" in der Musikhochschule

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Ausverkaufte Veranstaltungen und Standing Ovations

Das diesjährige Musiktheaterprojekt „Julius Caesar“ von William Shakespeare im Opernsaal der Musikhochschule war ein großer Erfolg. 120 Mitwirkende durften vor insgesamt 1200 Zuschauern ihr Können und ihre Begeisterung präsentieren. Dass unsere Theater-Produkionen so große Beachtung im Würzburger Raum finden, freut uns natürlich sehr. In diesem Jahr durften wir u.a. auch Herrn Oberbürgermeister Christian Schuchardt und den Zweiten Bürgermeister Adolf Bauer mit Gattin begrüßen.
Herr Paul Pagel, ehemaliger Kulturamtsleiter der Stadt Würzburg, war von der Aufführung so „beeindruckt und in den Bann gezogen“, dass er sich spontan bereit erklärte, einen Artikel für die Mainpost und den Jahresbericht zu schreiben. Vielen Dank!

Wirsberg-Gymnasium begeistert mit „Julius Caesar“ nach Shakespeare
Welche Wucht! Schon die Eingangsszene mit dem Auftritt des gesamten Schauspielensembles und des gemischten Chores, der unterstützt von einem hochkonzentrierten Orchester (Bigband, Streicher, Keyboard und Schlagzeug) aus dem Orchestergraben das Vagantenlied  aus den Carmina Burana „O Fortuna“ in Carl Orffs Vertonung wie einen Hit röhrt und durch eine geschickte Choreographie Bewegung und Schwung in die Szenerie bringt, reißt das Publikum sofort mit und lässt erahnen, dass es spannend wird, dass es um die Launenhaftigkeit des Glücks geht, letztlich um Leben und Tod. Besser kann man Shakespeares „Julius Caesar“ nicht beginnen.

Die Lehrer Siegfried Hutzel und Harald O. Kraus bezeichnen ihre Inszenierung als  Musiktheaterprojekt. Man spürt, wie sich die Kombination von Schauspiel, Musik und Choreographie durch ein sprühendes Feuerwerk an Ideen zu einem Gesamtkunstwerk formt. Shakespeares Sprache wird komprimiert und an heutige Diktion angeglichen, dicht geführte Dialoge, wenig Monologe, von den berühmten Leichenreden von Brutus und Marcus Antonius abgesehen. Auf historisierende Kostüme wird bewusst verzichtet, sie sind in ihrer Vielfalt der heutigen Zeit modisch angepasst. Frau Sigrid Maroske und Ihr Team (Christina Neuberger, Karen Herzog-Grün) entführen uns nach Lateinamerika. Schließlich ist das Streben nach Macht, die Manipulation der Massen nicht auf das alte Rom beschränkt. Das Ringen um ein menschliches, gerechtes Gemeinwesen ist ebenso überzeitlich aktuell. Caesar tritt in Uniform eines hochdekorierten Diktators eines revolutionären Regimes auf. Für das bei Shakespeare unverzichtbare Amüsement sorgen die farbenfrohen Kostüme und die mitreißende Choreographie der Samba-Tänzerinnen (Viktoria Gasseldorfer).

2018_003.jpg - 112.73 KBDie mehrfach wechselnden Bühnenbilder (Fotografien), bisweilen  in verfremdeter Bearbeitung,  werden auf die Bühnenwand projiziert.  Sie verstärken, deuten oder kontrastieren das Geschehen, wie  z.B. der ausgehobene Graben, der im Bürgerkrieg nach Caesars Tod zum Massengrab werden wird. Oder die friedliche Idylle einer schönen Landschaft, in der die Verschwörer um Brutus den Tyrannenmord planen, die in schroffem Gegensatz zur ländlichen Ruhe steht, mit der es bald vorbei ist. 

Ebenso überlegt und klug eingearbeitet sind die Anleihen aus Musik und Literatur: Orffs „Carmina Burana“, Händels Klage-Arie aus „Giulio Caesare“ wird  Caesars Frau Calpurnia in den Mund gelegt.  Die auf hohem sängerischen Niveau dargebotene Arie wird  mit stürmischem Beifall bedacht. Die den Handlungsablauf emotional unterstützende, von Chor, Orchester und Schauspieler mehrfach intonierte Arie Donizettis „Una furtiva lagrima“  (dt. eine flüchtige Träne) aus der Oper „Der Liebestrank“ wird zum verbindenden Element der Tragödie und ihrer Inszenierung. Es geht um Verrat, enttäuschte und gescheiterte Liebe. In Rom fließen bei Caesars Tod viele Tränen, öffentlich und im stillen Kämmerlein, aber auch die Trauer ist vergänglich. Catulls  berühmtes Gedicht „Odi et amo“ (dt. ich hasse und liebe), in einer Vertonung vom Chor gesungen, verdeutlicht die Seelenpein des getriebenen Brutus, seine Hassliebe zu Caesar, die ihn zum Mörder an dem Freund werden lässt. 
Dieses  durchdachte Konzept wird von einem Ensemble mit 120 Ausführenden umgesetzt. Die Schüler*innen agieren mit Freude und Leidenschaft, identifizieren sich mit der Rolle, doch nicht vollständig, sie geben auch Raum für reflektierenden Abstand. Sie musizieren präzise unter dem Dirigat von H.O. Kraus, sie singen, sprechen und tanzen mit einer ansteckenden Leichtigkeit und Lebendigkeit, die auch Situationskomik zulässt. Andererseits zeigen sie eine Tiefe bei intimen Szenen, z.B. zwischen den Eheleuten Brutus und Decia, die für Jugendliche dieses Alters erstaunlich gut gelingt. Alle Darsteller haben sichere Textkenntnis, eine weitgehend klare Aussprache und bewegen sich in einem flotten Spieltempo. Einige Männerrollen (z.B. Cassius = Cassia) werden von Frauen überzeugend dargestellt.


Der Einsatz mehrerer Sprachen bei Liedern/Arien und Dramentext, wie z.B. der bilinguale Vortrag der Antoniusrede (deutsch-englisch) verleihen der Inszenierung eine zeitlose, internationale Note. Die vielfältig eingesetzten Bühnenmittel sind klar funktionalisiert. Es gibt keinerlei leere Staffage.
Shakespeare, der seine Kenntnis des Menschen und der Welt in seiner Tragödie „Julius Caesar“ eindrucksvoll unter Beweis stellt, hätte an dieser Inszenierung seine Freude gehabt.
Lang anhaltender, frenetischer Applaus des begeisterten Publikums.

Paul Pagel

 

Fotos: Andreas Herold, Musihochschule

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